Rezension
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Flammen und Finsternis ♦ Sarah J. Maas | Rezension

Flammen und Finsternis ♦ Sarah J. Maas | Rezension
Nachdem ich den ersten Band Dornen und Rosen dieser Fantasyreihe verschlungen habe, konnte ich nicht anders als direkt auch diesen Band zu Hand zu nehmen. Und um ganz ehrlich zu sein, während ich diese Worte hier aufschreibe, habe ich bereits den dritten Band Sterne und Schwerter und die darauffolgende Novelle Frost und Mondlicht gelesen. 😉

Flammen und Finsternis ♦ Sarah J. Maas | Rezension
©theartofreading.de

Feyre hat überlebt. Sie hat Amarantha, die grausame Fae-Königin, besiegt und ist mit Tamlin an den Frühlingshof zurückgekehrt. Doch das scheinbar glückliche Ende täuscht. Tamlin verändert sich immer mehr und nimmt ihr allen Freiraum. Feyre hat Albträume, denn sie kann die schrecklichen Dinge nicht vergessen, die sie tun musste, um Tamlin zu retten. Und sie ist einen riskanten Handel mit Rhys eingegangen und muss nun jeden Monat eine Woche an seinem gefürchteten Hof der Nacht verbringen. Dort wird sie immer tiefer in ein Netz aus Intrigen, Machtspielen und ungezügelter Leidenschaft gezogen.

Flammen und Finsternis (Das Reich der sieben Höfe, #2) ♦ Sarah J. Maas

Rezension

Cover

Bei dem Cover des 2. Bandes gibt es nichts weiter zu sagen, als das ich es schon beim ersten Teil der Reihe erwähnt habe. Der dtv Verlag ist seine Linie hier treu geblieben und hat auch dieses Mal einen durchsichtigen Umschlag genutzt. Diese Idee finde ich immer noch total großartig. Nur könnte ich gut und gerne auf das Mädel im Kleid verzichten. Denn an einen wichtigen Teil haben sie hierbei nicht gedacht. Die Tätowierung, die Feyre im Buch, an den High Lord der Nacht bindet. Das haben die Originalcover der englischen Ausgaben einfach besser bedacht.

Meine rechte Hand war makellos und glatt. Aber über meine linke Hand zogen sich dunkle Wirbel und Kreise von den Fingerspitzen über das Handgelenk und den ganzen Unterarm bis zum Ellenbogen und schienen die Dunkelheit des Badezimmers in sich aufzusaugen.Flammen und Finsternis, S.14 - Sarah J. Maas

Content & Setting

Flammen und Finsternis setzt etwa 3 Monate, nach den Ereignisse in Amaranthas Reich unter dem Berg, an. Feyre und Tamlin sind wieder vereint am Frühlungshof, aber das Glück scheint sich einfach nicht einstellen zu wollen. Das Trauma, welches Feyre durchlebt, würden wir in der realen Welt wohl als PTSD (Post Traumatic Stress Disorder) bezeichnen.

Wenn ich doch nur nichts mehr empfinden würde. Wenn sich mein menschliches Herz doch nur genauso verwandelt hätte wie der Rest von mir. Dann hätte ich jetzt ein Herz aus unvergänglichem Marmor und nicht diesen in Fetzen gerissenen schwarzen Klumpen, aus dem Fäulnis in mein Inneres sickerte.Flammen und Finsternis, S.15 - Sarah J. Maas
Ein passendes Ende wäre gewesen, wenn mein Leib in einem dunklen Grab vermodern und meine Seele in der ewigen Verdammnis brennen würde.Flammen und Finsternis, S.46 - Sarah J. Maas

Während Tamlin einfach mit seinem Leben weitermacht und offensichtlich das Leiden Feyres nicht sieht oder nicht sehen will, wird der einstige Antagonist Rhysand zum Protagonisten. Doch kommt er nur, um Feyres Schuld einzuholen, nachdem sie den Deal mit ihm in Amarathas Reich eingegangen ist, oder hat er ganz andere Beweggründe? Eines ist jedenfalls klar, Rhysand ist ein sehr charismatischer Zeitgenosse, der mir am Ende des ersten Bandes schon recht sympathisch wurde und mich in diesem Buch absolut für sich überzeugen konnte.

Auch in diesem Band enttäuscht Sarah J. Maas nicht. Denn mit den bildgewaltigen und detaillierten Beschreibungen der Umgebung und Charaktere hat sie es mir wirklich wieder einmal super einfach gemacht, dass mein Kopfkino ordentlich ins Rollen gekommen ist.

Es war der schönste Ort, den ich je gesehen hatte. Das Gebäude, in dem wir uns befanden, stand auf dem Gipfel eines Berges aus grauem Fels. Der Raum war offen und hatte weder Wände noch Fenster, nur diese aufragenden Säulen und Vorhänge aus durchscheinendem Stoff, die in der von Blütenduft geschwängerten Luft leicht wehten. […] Kleine Sitzgruppen, Esstische und Arbeitsplätze waren in diesem offenen Saal verteilt, abgetrennt durch seidene Vorhänge, üppige Pflanzen und dicke Teppiche, die man auf dem Mondsteinboden gelegt hatte. Lichtkugeln schaukelten im Wind und an den Dachbalken hingen Laternen aus buntem Glas.Flammen und Finsternis, S.58-59 - Sarah J. Maas

Auch neue Charaktere konnten mein Herz erobern und ich fühlte mich schon fast in ihrer Mitte aufgenommen, denn Rhys‘ Freunde, Morrigan (auch genannt Mor), Cassian und Azriel, sowie Amren, sind überraschenderweise so warmherzig, dass ich sie nur ins Herz schließen konnte.
Ianthe, die überfreundliche Priesterin, an Tamlins Hof, kam mir allerdings von Anfang an irgendwie falsch vor. Ob sich diese Vermutung zum Ende hin bestätigt, kann und möchte ich nicht verraten.

Ein sehr wichtiger, tatsächlich der wichtigste Teil dieses Buches ist Feyres Entwicklungsprozess, welcher voll von Intrigen und Machtgeplänkel gespickt ist. Wären diese nicht der Antrieb der Geschichte, hätte ich vielleicht die Augen verrollen müssen. Doch wie in im ersten Band Dornen und Rosen hat Frau Maas hier nichts dem Zufall überlassen.

Meinung

Mit dem zweiten Band des Fantasyepos zu „Das Reich der sieben Höfe“ zerreißt die Autorin fast ihren ersten Teil. Aber das meine ich nicht negativ. Ich finde es sogar sehr bemerkenswert, dass die Geschichte eine ganze andere Wendung nimmt, als von den Leser:innen wahrscheinlich vermutet.
Doch muss ich sagen, hätte sich dieser Band nur auf die glückliche Vereinigung von Feyre und Tamlin fokussiert, dann war das Buch sicher nach knapp 100 Seiten zu Ende gewesen.

Es war schwer, dem Verfall Feyres zusehen zu müssen, während Tamlin und der Rest des Frühlungshofes, für welche sie ihr menschliches Leben riskiert und verloren hat. Doch richtig beeindruckend fand ich Feyres Entwicklung. Zwar tanzen sie und Rhysand ständig um ihre Gefühle drum herum, während im Hintergrund eine Gefahr brodelt, welche die Welt von Feyre und ihren Gefährten zum Einsturz bringen könnte. Den der König von Hybern, hat noch lange nicht, was er so sehr begehrt.
Mir hat gefallen, dass dieses drohende Unheil nicht der entscheidende Kern dieses Buches ist, aber für den Spannungsaufbau unersetzlich. Ich mochte es in die Welt des Hofes der Nacht einzutauchen, mehr über Rhys, seine Beweggründe (die am Ende mehr als nur Sinn ergeben) und seine Freunde zu erfahren. Aber eben auch in die Gefühlswelt beider Hauptprotagonisten.

Nicht den High Lord, nicht den mächtigsten Mann in Prythian. Einfach nur ihn. Den Mann, der mir in meinem dunkelsten Augenblick Musik geschickt hatte, der mit dem Messer in der Hand in Amaranthas Thronsaal für mich gekämpft hatte, und der seitdem nicht aufgehört hatte, für mich und um mich zu kämpfen. Der mich nicht in Ruhe gelassen und nicht zugesehen hatte, wie ich vor seinen Augen verschwand.Flammen und Finsternis, S.486 - Sarah J. Maas
Ich glaube, eine Wandlung zur Fae hat das Band untrennbar geschmiedet. Ich hatte schon vorher gewusst, dass es da war. Aber in dem Augenblick hat mich eine Stärke, seine Festigkeit schier überwältigt. Ich bin in Panik geraten. Wenn ich noch eine Sekunde länger geblieben wäre, hätte ich mich einen Dreck um die Konsequenzen geschert und dich einfach mitgenommen. Dann hättest du mich auf ewig gehasst. […] Und dennoch konnte ich dir nicht fernbleiben. Ich konnte nicht aufhören, dich zu lieben. Dich zu begehren. Und das kann ich immer noch nicht.Flammen und Finsternis, S.602-603 - Sarah J. Maas

Die Wendungen, die auch dieses Buch immer wieder nimmt, sind packend und so unvorhersehbar, doch gleichzeitig so logisch, wenn man alles bis dahin Gelesene sich gut merken konnte. Oder, wie in meinem Fall, gut markiert hat. 😉
Und wieder ist es das letzte Drittel, welches mich so in den Bann gezogen hat, dass ich das Buch nicht mehr aus der Hand legen konnte. Ich habe teils bis spät in die Nacht gelesen. Denn niemals hätte ich mit diesen Twists gerechnet, niemals kommen sehen, dass am Ende ein Cliffhanger auf mich wartet, bei dem ich nicht die leiseste Ahnung hatte, wie es in Sterne und Schwerter weitergehen könnte.

Schreibstil

Ganz klar gefallen hat mir auch hier wieder die Leichtigkeit, mit der Frau Maas eine Welt kreiert, die farbenfroher und visuell imponierender nicht sein kann. Auch dieses Mal hat Frau Maas die Ich-Erzählung aus der Sicht von Feyre gewählt, was mir wieder ungehinderte Einsicht in ihre Gedanken und Gefühle beschwert hat.
Sehr gut zum Verständnis des Geschehens war auch die Segmentierung des Buches in drei Teile, je nach Location der Haupthandlung.

Bewertung: 5 von 5.

Fazit

Flammen und Finsternis hat es wirklich in sich. Die Magie zwischen den Zeilen hat mich umgehauen und verzaubert. Nicht eine Seite des Buches war überflüssig, jede Handlung, jeder Dialog wichtig, bis zur Zuspitzung der Spannung zum Ende hin.
Kann ich eine Leseempfehlung aussprechen? Ja, absolut!

Zusätzliche Zitate

»Eure Schwester starb – sie starb –, um mein Volk zu retten. Sie ist bereit, für Euch zu sterben, um Euch vor dem Krieg zu bewahren. Also glaubt ja nicht, dass ich hier sitzen und ruhig zuhören werde, wie Ihr sie verachtet für etwas, das sie nicht gewollt hat, das nicht in ihrer Hand lag – und wie Ihr noch dazu meine Leute beleidigt.«Flammen und Finsternis, S.293 - Sarah J. Maas
Ich war nicht das Eigentum des High Lords. Ich war niemandes Eigentum. Und die Welt sollte erfahren, was ich zu bieten hatte. Luciens Finger streiften meinen Ärmel. Und ich wurde zu Rauch und Asche und schwarzer Nacht. Die Welt stand still und krümmte sich. Und da war Lucien, der sich so unsagbar langsam bewegte, dass ich in aller Ruhe um ihn herumlaufen konnte, bis zur Baumlinie hinter den Wächtern. Ich blieb stehen und die Zeit nahm wieder ihren natürlichen Lauf.Flammen und Finsternis, S.525 - Sarah J. Maas
»Und damals schickte ich einen Gedanken dorthin, woher die Bilder kamen. Ich dachte an die Erinnerung, die mir in meiner Gefangenschaft am meisten Freude bereitete: die Erinnerung an den Nachthimmel. An einen weiten, offenen Himmel mit Sternen und dem Mond. Ich wusste nicht, ob der Gedanke ankam, aber ich versuchte es trotzdem.«Flammen und Finsternis, S.595 - Sarah J. Maas

Bibliographie zu „Flammen und Finsternis“

Flammen und Finsternis | ©dtv
Titel: Flammen und Finsternis
Originaltitel: A Court of Mist and Fury
Reihe: Das Reich der sieben Höfe Originaltitel Reihe: A Court of Thorns and Roses
Band: #2
Autorin: Sarah J. Maas (Website) Übersetzerin: Alexandra Ernst Verlag: dtv 
Seitenzahl: 711
Format: Hardcover 
Sprache: Deutsch 
Erscheinungsdatum: 04. August 2017 
ISBN-13:  978-3-423-76182-6 
Preis: €19,95 
weitere Formate: eBook, Paperback, AudioBook 
Kategorie/Genre: Fantasy, High Fantasy

Das Reich der sieben Höfe – Die Reihe

  • Dornen und Rosen (Das Reich der sieben Höfe, #1)
  • Flammen und Finsternis (Das Reich der sieben Höfe, #2)
  • Sterne und Schwerter (Das Reich der sieben Höfe, #3)
  • Frost und Mondlicht (Das Reich der sieben Höfe, #3.1)
  • A Court of Silver Flames (26. Jan. 2021) (Das Reich der sieben Höfe, #4)
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Weitere Meinungen zum Buch „Flammen und Finsternis“

Eine fließende Steigerung zum 1. Band mit mehr Tiefgang in den Charakteren und bildgewaltige Orte. Eindeutig für Leser, die aus dem Märchen heraus wachsen wollen.
Tina, Buchpfote
Tina
Unglaublich faszinierend was eine Welt und was für starke Charaktere hier geschaffen wurden einfach nur grandios!
Larissa, Wunderseiten
Unglaublich faszinierend was eine Welt und was für starke Charaktere hier geschaffen wurden einfach nur grandios!
Larissa, Wunderseiten

Mein Song zum Buch

Anmerkung: Die Cover-Abbildungen unterliegen dem Urheberrechtsschutz der jeweiligen Autor*Innen und/oder Verlage!

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Tina
Gast
4 Tage zuvor

Hey Roxxie,

ich bin nach wie vor der Meinung, dass die englischen Cover einfach cooler sind, die Nummer mit dem nicht vorhandenen Tattoo ist mir tatsächlich gar nicht aufgefallen.
Sehr gut aufgepasst.
Und ja, ich verstehe dich, dass du bis spät in die Nacht gelesen hast.
Wie gesagt, das ist mein absoluter Lieblingsband.
Es war einfach Boom!
Ja, wir sind einer Meinung.

Liebe Grüße
Tina

Tina
Gast
Reply to  RoXXie
2 Tage zuvor

High Five! Sehe ich genauso.

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