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Was die Toten bewegt - Rezension

Was die Toten bewegt ♦ T. Kingfisher | ARC Rezension

Atmosphärisch dicht, humorvoll, aber mit zu viel Pilzgrusel – 3,5 Sterne

Was die Toten bewegt von T. Kingfisher ist eine atmosphärisch dichte, moderne Nacherzählung von Edgar Allan Poes Der Untergang des Hauses Usher. Ich muss direkt vorwegschicken: Das Original habe ich nie gelesen – und ehrlich gesagt, wenn es dort thematisch ebenfalls stark um Pilze geht, werde ich es vermutlich auch nicht mehr nachholen. Denn so sehr mich Geschichten mit einem gewissen Gruselfaktor anziehen, Pilze als Ursprung des Unheils haben für mich eine ganz besondere Abstoßungskraft. Vielleicht gerade, weil ihre Sporen unsichtbar und allgegenwärtig sind, während sie gleichzeitig unkontrollierbar in jede Ritze vordringen können. Genau das erzeugt in mir einen sehr unangenehmen Schauer, und Kingfisher versteht es meisterhaft, diese Eigenschaft in Worte zu fassen.

Through NetGalley I received an advance review copy (ARC) for free, and I am leaving this review voluntarily.


Was die Toten bewegt ♦ T. Kingfisher | ARC Rezension
Horror Mystery

Was die Toten bewegt by T. Kingfisher
Original Title: What Moves the Dead
Series: Sworn Soldier #1
Genre: Adult, Gothic, Historical Fantasy, Horror, Mystery
Translator: Elena Helfrecht
Published on 06. Aug 2024 by Cross Cult
Initial Release: 12. Jul 2022
Pages: 192
Format: ARC, Kindle Edition
ISBN-13: 9783986664589
ASIN: B0CLW1B5RB
Language: German
Original Language: English
Source: NetGalley
Link to Goodreads
My rating: | Spice: zero-flames

Eine packende und atmosphärische Neuerzählung von Edgar Allan Poes Klassiker "Der Untergang des Hauses Usher". Als Alex Easton, ein Soldat im Ruhestand, die Nachricht erhält, dass seine Jugendfreundin Madeline Usher im Sterben liegt, eilt Alex augenblicklich zum Stammsitz der Ushers in der abgelegenen Landschaft Ruritaniens. Was Alex dort vorfindet, ist ein Albtraum aus Pilzwucherungen und besessenen Tieren, die einen dunklen, pulsierenden See umgeben. Madeline schlafwandelt und spricht nachts mit seltsamen Stimmen, und ihr Bruder Roderick wird von einer mysteriösen Nervenkrankheit heimgesucht. Mit Hilfe eines gefürchteten britischen Mykologen und eines verblüfften amerikanischen Arztes muss Alex das Geheimnis des Hauses Usher lüften, bevor es sie alle verschlingt.


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Was die Toten bewegt ♦ T. Kingfisher

Eine Rezension

Meinung

Von der ersten Beschreibung des alten Usher-Anwesens war mir klar: Hier wimmelt es nur so von Pilzbefall – in allen erdenklichen Formen und Stadien. Schon beim Lesen der Umgebungsbilder lief es mir kalt den Rücken hinunter. Dass sich die Entwicklung der Pilze im Verlauf der Geschichte in so extreme Richtungen steigert (ohne hier zu spoilern), hat mich gleichermaßen fasziniert wie verstört. Der Ekel ist dabei ein zentraler Motor der Leseerfahrung – wer also wie ich auf dieses Thema empfindlich reagiert, sollte sich im Klaren sein, dass Pilze hier nicht bloß dekorativer Hintergrund, sondern Dreh- und Angelpunkt des Grauens sind.

Trotz dieser persönlichen Abneigung muss ich zugeben: Die Geschichte insgesamt hat mir gut gefallen. Vor allem lebt sie von ihren Charakteren und den pointierten Dialogen. Der Hauptprotagonist Alex Easton – ein ehemaliger Soldat – wird von einem ganz besonderen Nebencharakter begleitet: Angus, der als „Adjudant“ sowohl durch seine Loyalität als auch durch seinen trockenen Humor überzeugt. Die Gespräche zwischen den beiden haben mich mehrfach zum Schmunzeln gebracht und sorgen für wohltuende Auflockerungen inmitten der düsteren Grundstimmung. Besonders hervorheben möchte ich aber auch Mrs. Potter, die britische Mykologin. Obwohl sie thematisch diejenige ist, die das Pilzthema überhaupt erst wissenschaftlich einordnet, glänzt sie gleichzeitig mit scharfzüngigem Witz und britischer Gelassenheit. Ihre Auftritte sind ein echtes Highlight und balancieren die Schwere der Handlung hervorragend aus.

Stilistisch gelingt es Kingfisher, eine beklemmende, fast greifbare Atmosphäre zu schaffen. Die Landschaftsbeschreibungen, der pulsierende See, die geheimnisvollen Tiere – all das wirkt so lebendig, dass man fast meint, selbst dort zu stehen. Gerade dieser Detailreichtum macht das Buch aber auch stellenweise anstrengend. Wer schnelle Wendungen erwartet, könnte enttäuscht werden. Das Grauen entfaltet sich langsam, schleichend, wie ein Pilz, der sich heimlich unter der Oberfläche ausbreitet. Dieses Stilmittel passt hervorragend zum Thema, verlangt aber Geduld.

Was mich letztlich davon abhält, eine höhere Wertung zu geben, ist mein persönliches Unbehagen mit Pilzen als Horrormotiv. Während Vampire, Geister oder auch ein klassischer Fluch für mich einen reizvollen Schrecken darstellen, löst der Gedanke an Sporen, die unsichtbar überall lauern, nur schwer erträgliches Unbehagen aus. Natürlich ist genau das eine Stärke des Buches – denn es zeigt, wie effektiv Kingfisher Gefühle beim Lesen hervorrufen kann. Für mich jedoch kippt diese Stärke zu sehr ins Negative.

Fazit

Was die Toten bewegt ist eine gekonnte, atmosphärische Horror-Novelle mit gelungenen Charakteren, einigen humorvollen Zwischentönen und einer beklemmenden Grundstimmung, die lange nachhallt. Wer Pilz-Horror als Motiv spannend findet, wird hier sicher eine volle Empfehlung aussprechen. Für mich persönlich war es trotz vieler positiver Eindrücke eher eine Gratwanderung zwischen Faszination und Ekel. Deshalb vergebe ich 3,5 Sterne – solide, lesenswert, aber nicht uneingeschränkt zu empfehlen.

Sworn Soldier

Trilogie

Was die Toten bewegt (#1)tba
tba

About T. Kingfisher

T. Kingfisher

T. Kingfisher ist das etwas skurrile Pseudonym von Ursula Vernon. Im wahren Leben schreibt sie Kinderbücher und schräge Comics und wurde mit dem Hugo Award, dem Sequoyah Award und dem Ursa Major Award ausgezeichnet sowie mit mehreren Preisen der Junior Library Guild geehrt.

Unter diesem Namen veröffentlicht sie Werke für Erwachsene.

Wenn sie nicht gerade schreibt, ist sie wahrscheinlich im Garten und versucht, Schmetterlingen in die Augen zu schauen.

diese Rezension wurde auch hier veröffentlicht:

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Aleshanee
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7 Months ago

Schönen guten Morgen!

Ich hab zwar die Originalgeschichte (noch) nicht gelesen, kenne aber zumindest ein Hörspiel davon und hab auch die Netflix Verfilmung als Serie angeschaut – die übrigens sehr genial gemacht ist! Nirgends hab ich die Spur von Pilzen entdeckt xD
Dass die Autorin hier diese als Grundmotiv nimmt finde ich eigentlich echt cool, das ist auf jeden Fall sehr neu und ich hab keine besondere Abneigung gegen diese Pflanzen 🙂
Ansonsten klingt es ja so als hätte es dich begeistert, und gerade gute Dialoge mach auch sehr gerne.
Das wird dann wohl das nächste werden, dass ich von der Autorin ausprobiere 🙂

Liebste Grüße, Aleshanee

Aleshanee
Guest
Reply to  RoXXie
7 Months ago

Es gibt ja hier noch einen 2.Band – wirst du den lesen?

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