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Der letzte Wunsch - Rezension

Der letzte Wunsch ♦ Andrzej Sapkowski | Rezension

Zwischen Monstern, Märchen und sprachlichen Stolpersteinen

Mit Der letzte Wunsch von Andrzej Sapkowski habe ich mich nun endlich an den Vorgeschichtenband der Der Hexer-Reihe gewagt. Ganz allein war ich dabei allerdings nicht, denn ich habe das Buch gemeinsam mit drei anderen Bloggerinnen in einer Leserunde gelesen. Und gerade bei diesem Buch war ich darüber ziemlich froh. Leserunden haben für mich ohnehin ihren ganz eigenen Reiz: Nach jedem vorher festgelegten Abschnitt tauschen wir uns über unsere Eindrücke, Vermutungen und Kritikpunkte aus. Dabei ist es immer wieder interessant zu sehen, welche Kleinigkeiten den anderen aufgefallen sind, die man selbst vielleicht ganz anders wahrgenommen oder sogar überlesen hat.

Der letzte Wunsch ♦ Andrzej Sapkowski | Rezension
Adventure Epic Fantasy Magic

Der letzte Wunsch by Andrzej Sapkowski
Original Title: Ostatnie życzenie
Series: Der Hexer #0.5
Original Series: Saga o Wiedźminie #0.5
Genre: Adventure, Epic Fantasy, Magic, Monsters
Published on 04. Jan 2020 by dtv Verlag
Pages: 481
Format: Paperback
ISBN-13: 9783423262644
Language: German
Original Language: Polish
Source: Amazon
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My rating: | Spice: zero-flames

Der Hexer Geralt von Riva verdient sein Geld mit Kämpfen gegen Ungeheuer aller Art. Über einen Mangel an Aufträgen kann er sich nicht beklagen, denn es gibt genügend Leute, die dringend Hilfe gegen Vampire, Drachen und andere dämonische Wesen brauchen. Als Geralt eines Tages einen Luftgeist befreit, schlägt ihn dieser mit der verhängnisvollen und quälenden Liebe zu der schönen Zauberin Yennefer. Und dann wird Geralts bester Freund schwer verletzt und braucht seine Hilfe...


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Der letzte Wunsch ♦ Andrzej Sapkowski

Eine Rezension

Meinung

Bekannte Geschichten in einer anderen Form

Vollkommen neu waren Geralt und seine Abenteuer für mich natürlich nicht. Die Kurzgeschichten aus Der letzte Wunsch kannte ich zumindest in ihren Grundzügen bereits aus der Serienverfilmung The Witcher. Tatsächlich hat mir dieses Vorwissen beim Lesen mehr geholfen, als ich zunächst erwartet hatte.

Denn der Aufbau des Buches ist durchaus etwas ungewöhnlich. Statt einer geradlinigen Handlung bekommen wir verschiedene Kurzgeschichten präsentiert und bewegen uns dabei immer weiter in Geralts Vergangenheit. Durch die Serie hatte ich bereits Bilder zu Figuren, Orten und Ereignissen im Kopf und konnte die einzelnen Geschichten dadurch wesentlich leichter zeitlich und inhaltlich einordnen.

Gleichzeitig war es interessant zu sehen, wie sich die literarische Vorlage von der Serienadaption unterscheidet. Einige Momente kamen mir sofort bekannt vor, andere wiederum besitzen im Buch eine andere Wirkung oder werden ausführlicher beleuchtet. Gerade Geralt selbst lässt sich dadurch noch einmal aus einer etwas anderen Perspektive kennenlernen.

Märchen, Monster und ein Hexer mittendrin

Die einzelnen Kurzgeschichten haben mir insgesamt gut gefallen. Sapkowski verbindet klassische Fantasy mit Elementen bekannter Märchen und Legenden, dreht diese jedoch so weit, dass daraus etwas Eigenständiges entsteht. Dabei geht es längst nicht immer nur darum, dass Geralt irgendwo auftaucht, ein Monster erschlägt, seine Münzen kassiert und wieder verschwindet.

Vielmehr stellt sich immer wieder die Frage, wer oder was eigentlich das Monster ist. Die vermeintlich gefährliche Kreatur muss nicht zwangsläufig das größte Übel einer Geschichte sein, während Menschen keineswegs automatisch auf der moralisch richtigen Seite stehen. Gerade diese Grauzonen passen hervorragend zu Geralt und der Welt, in der er sich bewegt.

Inhaltlich hat mich Der letzte Wunsch deshalb durchaus neugierig auf weitere Abenteuer des Hexers gemacht. Und trotzdem werde ich die Reihe in dieser Ausgabe nicht weiterlesen.

Wenn die Übersetzung zum Stolperstein wird

Mein mit Abstand größter Kritikpunkt ist nämlich die deutsche Übersetzung aus dem Polnischen. Die Sprache empfand ich immer wieder als klobig, brachial und teilweise geradezu unnötig mittelalterlich. Dialoge und Formulierungen wirkten auf mich häufig sperrig, sodass ich beim Lesen regelrecht über einzelne Sätze gestolpert bin.

Zunächst hatte ich mich gefragt, ob dies schlicht Sapkowskis Schreibstil ist und die Serie diesen lediglich stark modernisiert hat. Doch nachdem ich mir eine englische Leseprobe angesehen hatte, war der Unterschied für mich enorm. Die englische Übersetzung wirkte deutlich moderner und flüssiger, ohne dass die Fantasyatmosphäre darunter verloren ging.

Und genau hier liegt für mich das eigentliche Problem: Eine mittelalterlich inspirierte Fantasywelt benötigt meiner Meinung nach keine künstlich altertümlich wirkende Sprache, um glaubwürdig zu sein. Wenn Formulierungen dazu führen, dass ich mich stärker mit dem Satzbau beschäftige als mit dem eigentlichen Geschehen, leidet mein Lesefluss erheblich darunter.

Das fand ich besonders schade, weil mir die Geschichten an sich wirklich gefallen haben.

Fazit

★★★★★

Der letzte Wunsch hat mir inhaltlich mit seinen märchenhaften Elementen, Monstern und moralischen Grauzonen gut gefallen. Auch mein Vorwissen aus der Serienverfilmung The Witcher erwies sich beim ungewöhnlichen Aufbau der Kurzgeschichten als hilfreich. Mein größter Kritikpunkt bleibt jedoch die für mich sehr sperrige und altertümlich wirkende deutsche Übersetzung, die meinen Lesefluss deutlich beeinträchtigt hat. Mit Geralt bin ich deshalb noch lange nicht fertig, die weiteren Bände werde ich allerdings lieber in der englischen Übersetzung lesen.

Der Hexer

Serie*

Kreuzwege des Raben (#0.1)Zeit des Sturms (#0.2)
Der letzte Wunsch (#0.5)Das Schwert der Vorhersehung (#0.7)
Das Erbe der Elfen (#1)Die Zeit der Verachtung (#2)
Feuertaufe (#3)Der Schwalbenturm (#4)
Die Dame vom See (#5)

*dies ist die chronologische Reihenfolge, es gibt verschiedene empfohlene Lesereihenfolgen

About Andrzej Sapkowski

Andrzej Sapkowski

Andrzej Sapkowski, geboren am 21. Juni 1948 in Łódź, ist ein polnischer Fantasy- und Science-Fiction-Autor. Sapkowski studierte Volkswirtschaftslehre, und bevor er sich dem Schreiben zuwandte, war er als Senior Sales Representative für ein Außenhandelsunternehmen tätig. Seine erste Kurzgeschichte, The Witcher (Wiedźmin), wurde 1986 in Fantastyka, Polens führender Fantasy-Literaturzeitschrift, veröffentlicht und war sowohl bei Lesern als auch bei Kritikern enorm erfolgreich. Sapkowski hat einen Zyklus von Geschichten geschaffen, die auf der Welt von The Witcher basieren und drei Sammlungen von Kurzgeschichten und fünf Romane umfassen. Dieser Zyklus und seine vielen anderen Werke haben ihn in den 1990er Jahren zu einem der bekanntesten Fantasy-Autoren in Polen gemacht.

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