Zwischen Happy End und verpasstem Potenzial
Mit Er wird dich begehren endet die Bedlam Brotherhood – Trilogie von T.M. Frazier und nachdem mich bereits der zweite Band nur bedingt überzeugen konnte, hoffte ich auf ein Finale, das die offenen Handlungsstränge noch einmal mit der nötigen Wucht zusammenführt. Bekommen habe ich eine durchaus spannende und flüssig zu lesende Geschichte, die einige befriedigende Momente bietet, gleichzeitig aber auch unter denselben Problemen leidet wie ihre Vorgänger.

Er wird dich begehren by T.M. Frazier
Original Title: Permission
Series: Bedlam Brotherhood #3
Original Series: Perversion #3
more Volumes: Er wird dich finden, Er wird dich bestrafen
Genre
Der Begriff Genre bezeichnet eine Kategorie oder Gattung von... More: Contemporary Fiction, Dark Romance, New Adult, Suspense, Violence Translator: Stephanie Pannen
Published on 01. Mar 2020 by LYX
Pages: 197
Format: Kindle Edition
ASIN: B07V4S4HCW
Language: German
Original Language: English
Source: Amazon
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My rating: | Spice:
Weil in der Liebe und im Bandenkrieg alles erlaubt ist...
Als Grim Emma Jean nach all den Jahren bei den Los Muertos, seinem schlimmsten Feind, aufspürt, ahnt er nicht, dass sie zusammen durch die Höllen gehen werden. Er ahnte nicht, dass ihre Liebe einen Krieg auslösen würde, der die ganze Stadt im Blut versinken lässt. Emma Jean in Sicherheit zu bringen, ist Grims oberste Priorität. Auch wenn er dafür über Leichen gehen muss. Auch wenn er dafür seine Brüder verraten muss. Auch wenn es ihn das Leben kosten kann ...
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Er wird dich begehren ♦ T.M. Frazier
Eine Rezension
Meinung
Die Handlung setzt direkt nach den Ereignissen des zweiten Bandes an. Endlich wird enthüllt, wer der mysteriöse Agent des Sonderkommandos tatsächlich ist, der Tricks am Ende von Er wird dich bestrafen in seine Gewalt gebracht hat. Rückblickend war diese Enthüllung durchaus interessant, allerdings war ich auch überrascht, wie schnell sich die Situation letztlich wieder auflöst. Nach all dem Aufbau und der Bedrohung, die von dieser Figur ausgehen sollte, gelingt Tricks die Flucht erstaunlich rasch, sodass sie schon bald wieder in den vermeintlich sicheren Armen von Grim landet.
Mit gerade einmal knapp 200 Seiten bleibt dem Abschlussband leider wenig Raum, um die zahlreichen Themen angemessen auszuarbeiten. Das betrifft vor allem die Traumata, die Tricks und ihre beste Freundin Gabby über Jahre hinweg durchleben mussten. Bereits in den vorherigen Bänden hatte ich das Gefühl, dass die Autorin zwar keine Scheu davor hat, ihren Figuren schwerste körperliche und psychische Gewalt anzutun, die eigentliche Verarbeitung dieser Erfahrungen jedoch weitgehend ausklammert.
Auch hier bleibt dieses Problem bestehen. Zwar wird irgendwann kurz erwähnt, dass Tricks und Gabby vielleicht mit einem Psychologen sprechen sollten, doch mehr passiert letztlich nicht. Angesichts dessen, was beide Mädchen erlebt haben, wirkte diese kurze Erwähnung eher wie ein nachträglicher Gedanke als eine ernsthafte Auseinandersetzung mit ihren Traumata.
Gefreut hat es mich hingegen, dass Tricks endlich die Wahrheit über ihre Herkunft erfährt. Jahrelang wurde ihr erzählt, sie sei ein unerwünschtes Waisenkind, doch nun stellt sich heraus, dass ihre leiblichen Eltern nicht nur leben, sondern sie und Gabby mit offenen Armen empfangen. Dieser Handlungsstrang brachte etwas Wärme und Hoffnung in die Geschichte und gehörte für mich zu den emotional stärkeren Momenten des Buches.
Weniger begeistert war ich dagegen von der Entscheidung, den Pregnancy Trope einzubauen. Rückblickend hätte ich vermutlich damit rechnen müssen, dennoch hat mich diese Entwicklung eher genervt als erfreut. Gerade vor dem Hintergrund der mehrfachen Vergewaltigungen, die Tricks überlebt hat, und der Tatsache, dass sie und Grim wiederholt ungeschützten Sex haben, wirkte es auf mich befremdlich, dass das Thema Schwangerschaft praktisch nie ernsthaft thematisiert wird. Nicht einmal ansatzweise scheint sich Tricks Gedanken über mögliche Konsequenzen zu machen.
Hier stellte sich für mich zwangsläufig die Frage, welche Botschaft eigentlich vermittelt werden soll. Besonders für ein junges Publikum hinterlässt diese Darstellung einen faden Beigeschmack. Statt einer reflektierten Auseinandersetzung wirkt die Schwangerschaft letztlich eher wie ein bequemes Mittel, um dem Paar ein möglichst perfektes Happy End zu verschaffen.
Während Tricks und Gabby nach Europa reisen, um bei ihrer Familie Sicherheit zu finden, bleibt Grim zurück und muss sich dem Konflikt mit Marco und den Los Muertos stellen. Grundsätzlich mochte ich diesen Teil der Handlung sogar sehr gerne. Besonders die Falle, die Marco gestellt wird, war clever umgesetzt und sorgte endlich für einige spannende Momente. Auch Marcos endgültiges Schicksal empfand ich als passend.
Allerdings zeigt sich hier erneut eines der größten Probleme der Trilogie: Der angekündigte Bandenkrieg verliert zunehmend an Bedeutung. Was im ersten Band noch wie ein brutaler Machtkampf um die Kontrolle von Lacking wirkte, wird im Verlauf der Reihe immer weiter in den Hintergrund gedrängt. Die Eskalation, die man nach drei Büchern eigentlich erwarten würde, bleibt aus. Viele Konflikte lösen sich erstaunlich schnell und vergleichsweise unkompliziert auf.
So entsteht insgesamt das Gefühl, dass die Geschichte immer häufiger durch eine rosarote Brille betrachtet wird. Statt die Konsequenzen der Ereignisse auszuleuchten, schweben die Figuren zunehmend auf Wolke sieben. Das sorgt zwar für ein versöhnliches Ende, nimmt der Geschichte aber auch einen Teil ihrer Glaubwürdigkeit.
Abschließend möchte ich noch die deutschen Titel der Reihe erwähnen. Selten habe ich eine Titelgestaltung erlebt, die so wenig mit den Originaltiteln gemeinsam hat. Während die englischen Titel eine deutlich passendere Atmosphäre transportieren, wirken die deutschen Varianten auf mich übertrieben dramatisch und teils irgendwie unpassend. Hier wäre es aus meiner Sicht sinnvoller gewesen, die Originaltitel beizubehalten oder sie zumindest näher am eigentlichen Inhalt zu übersetzen.
Fazit
Er wird dich begehren ist damit ein solides Finale, das einige offene Fragen beantwortet und Grim und Tricks ein verdientes Happy End schenkt. Dennoch bleibt für mich das Gefühl zurück, dass die Reihe deutlich mehr Potenzial hatte. Die Traumabewältigung bleibt oberflächlich, der Bandenkrieg entwickelt nie die versprochene Intensität, und viele Konflikte werden zu schnell gelöst. Spannend war die Geschichte trotzdem, nur eben nicht so tiefgründig, wie sie hätte sein können.
Auch werde ich wohl keine weiteren Bücher der Autorin lesen.

Bedlam Brotherhood
Trilogie



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