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Das verratene Herz - Rezension

Das verratene Herz ♦ Beril Kehribar | Rezension

Mehr Schein als Sein: Ein hübsch-gestalteter Auftakt, der sein Potenzial in den Wind schießt

Man kennt diese Bücher: wunderschön gestaltetes Cover, ein klangvoller Titel, ein düster-romantischer Klappentext, der sofort Fantasy-Intrigen und gefährliche Leidenschaft verspricht. Das verratene Herz von Beril Kehribar, der Auftaktband der Trilogie Empire of Sins and Souls, gehört für mich leider genau in diese Kategorie. Von außen ein echter Blickfang, inhaltlich jedoch deutlich schwächer, als ich es mir erhofft hatte.

Das verratene Herz ♦ Beril Kehribar | Rezension
Dark Fantasy Romance Vampires

Das verratene Herz by Beril Kehribar
Series: Empire of Sins and Souls #1
Genre: Adult, Dark Fantasy, Gothic, Paranormal, Romance, Vampire, Violence
Published on 05. Sep 2016 by Knaur
Pages: 387
Format: Paperback
ISBN-13: 9783426530924
Language: German
Source: Amazon
My rating: | Spice: one-half-flames

Wenn dein Tod erst der Anfang ist und im Vorhof zur Hölle die Liebe lauert

Zoé Durand ist eine Sünderin. Eine Lügnerin, eine Prostituierte und eine berüchtigte Diebin. Nach einer schicksalhaften Nacht muss sie sich einen weiteren Titel auf ihre Liste schreiben: Mörderin. Kein Wunder, dass sie sich nach ihrer Hinrichtung in Xanthia wiederfindet, der letzten Station vor den Toren der Hölle. Plötzlich sieht Zoé sich hungrigen Xathyr ausgesetzt, die nach den Sünden in ihrem Blut gieren. Da kommt es gerade recht, dass der attraktive Xathyr-Graf Alexei ihr einen Pakt anbietet: Sie soll drei Relikte für ihn stehlen – im Gegenzug für ihre Freiheit. Doch gerade, als Zoé denkt, sie hätte Xanthias gefährlichste Dämonen schon kennengelernt, taucht der dunkle Prinz Kaspar auf – Alexeis größter Feind und jener Xathyr, vor dem der ganze Hof in Angst lebt. Zoé ist von Kaspars Schatten gleichermaßen abgestoßen und fasziniert. Noch ahnt sie nicht, dass sie weder Kas noch Alexei vertrauen sollte …


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Das verratene Herz ♦ Beril Kehribar

Eine Rezension

Meinung

Bevor ich zum eigentlichen Inhalt komme, ein Punkt, der mich schon vor dem Lesen irritiert hat: Warum trägt eine Reihe einer deutschen Autorin wieder einen englischen Titel? „Empire of Sins and Souls“ klingt zwar dramatisch, aber „Reich der Sünden und Seelen“ hätte genauso funktioniert und wäre deutlich stimmiger gewesen. Gerade bei deutschsprachiger Fantasy wirkt diese Anglisierung oft etwas aufgesetzt.

Die Grundidee des Romans hat mich zunächst wirklich neugierig gemacht. Der sogenannte Vorhof der Hölle ist ein interessanter Schauplatz: ein Zwischenreich, in dem sich entscheidet, ob Sünder endgültig in der Hölle landen oder doch noch eine Form von Absolution erhalten können. Dieses Konzept bietet eigentlich viel Raum für moralische Grauzonen, Intrigen und persönliche Entwicklung.

Leider bleibt es für mich weitgehend bei dieser guten Ausgangsidee.

Die Protagonistin Zoé beginnt zunächst recht vielversprechend. Ihre Vergangenheit auf der Erde ist hart und geprägt von Armut und Ausweglosigkeit. Um sich und ihre kranke Mutter zu versorgen, greift sie zu Diebstahl und verkauft ihren Körper. Diese Hintergrundgeschichte hätte eine komplexe, widerstandsfähige Figur ergeben können. Gerade ihre Wut darüber, von ihren Freiern nur als Objekt betrachtet zu werden, wirkt am Anfang glaubwürdig und nachvollziehbar.

Umso irritierender fand ich ihre Entwicklung im Verlauf der Handlung.

Denn kaum begegnet Zoé dem Xathyr-Grafen Alexei, scheint ein Großteil ihrer vorherigen Haltung plötzlich vergessen. Obwohl sie zuvor mehrfach betont, wie sehr sie die gierigen Blicke ihrer Freier verabscheut hat, wirft sie sich relativ schnell an Alexei heran. Nach gerade einmal zwei oder drei Tagen rutscht sie praktisch an ihm herunter und befriedigt ihn oral. Dieser Moment wirkte auf mich weder emotional aufgebaut noch charakterlich stimmig.

Generell konnte ich die angebliche Anziehung zwischen Zoé und Alexei überhaupt nicht nachvollziehen. Es fehlte völlig an Knistern, an Spannung oder an irgendeiner Form von glaubwürdig aufgebauter Beziehung. Stattdessen entwickelt Zoé sehr schnell eine beinahe obsessive Fixierung auf ihn, die zunehmend eher nervig als interessant wirkt.

Ein weiterer zentraler Handlungspunkt ist der Auftrag, den Alexei ihr gibt: Zoé soll für ihn drei Relikte von seinen eigenen Untertanen stehlen. Auch hier steckt eigentlich viel Potenzial für Spannung, Intrigen und gefährliche Missionen drin. Und doch war mir sofort klar, dass ein Relikt hier ganz besondere Aufmerksamkeit erlangen wird und dass sich die Geschichte (auch der weiteren Bände) darum wohl im Kreis drehen wird.

In der Umsetzung wirkt das Ganze jedoch erstaunlich oberflächlich. Besonders beim ersten Relikt hatte ich das Gefühl, dass die Aufgabe viel zu leicht gelöst wird. Ernsthafte Hindernisse gibt es kaum, und wenn es brenzlig wird, erscheint Alexei fast wie ein Ritter in glänzender Rüstung und hilft ihr aus der Patsche. Dadurch geht ein Großteil der möglichen Spannung verloren.

Hinzu kommt, dass die Übergänge zwischen vielen Kapiteln auf mich sehr sprunghaft wirkten. Mehrfach hatte ich das Gefühl, dass wichtige Zwischenschritte fehlen oder Ereignisse plötzlich passieren, ohne ausreichend vorbereitet zu werden. Diese Sprünge haben das Lesen teilweise verwirrend gemacht und den Erzählfluss gestört.

Auch der spätere Konflikt mit dem dunklen Prinzen Kaspar, der im Klappentext als große Bedrohung angekündigt wird, konnte mich nicht wirklich packen. Zwar bringt seine Figur etwas zusätzliche Dynamik in die Geschichte, aber auch hier bleibt vieles eher angedeutet als wirklich ausgearbeitet.

Fazit

Am Ende bleibt für mich ein Buch mit einer wirklich interessanten Ausgangsidee, das sein Potenzial leider nicht ausschöpft. Die Welt hätte faszinierend sein können, die moralischen Fragen rund um Schuld und Erlösung ebenfalls. Doch schwache Figurenentwicklung, wenig überzeugende, aber eher nervige Romantik und eine teilweise hektische Erzählstruktur haben mir das Leseerlebnis deutlich erschwert.

Für alle, die die Trilogie weiterlesen möchten, hoffe ich, dass besonders Zoé im Verlauf der nächsten Bände eine stärkere Charakterentwicklung durchmacht. Persönlich habe ich allerdings wenig Hoffnung dahingehend. Deshalb habe ich mich nach dem ersten Band entschieden, die Reihe nicht weiterzuverfolgen.

Empire of Sins and Souls

Trilogie

Das verratene Herz (#1)Das gestohlene Herz (#2)
Das zerrissene Herz (#3)

About Beril Kehribar

Die gebürtige Berlinerin Beril Kehribar ist eine der bekanntesten Buchbloggerinnen Deutschlands. Auf ihrem Instagram-Account schreibt sie über besondere Geschichten, wunderschöne Schmuckausgaben und alles, was sie in der Welt der Fantasy und Romance inspiriert und fasziniert.

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