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Title Case

Title Case – Englische Buchtitel sind keine normalen Sätze

Englische Buchtitel sind keine normalen englischen Sätze – Title Case existiert aus einem Grund

Es gibt Dinge in der Buchblogger-Welt, über die kann ich erstaunlich großzügig hinwegsehen. Unterschiedliche Meinungen zu Büchern? Natürlich. Ein Buch, das ich geliebt habe, bekommt bei jemand anderem zwei Sterne? Völlig in Ordnung. Geschmäcker sind verschieden, und genau deshalb macht der Austausch über Bücher schließlich Spaß.

Aber dann gibt es diese eine Kleinigkeit, bei der mein innerer Monk inzwischen regelmäßig mit beiden Händen auf den Tisch schlägt: Englische Buchtitel, die so geschrieben werden, als wären sie ganz normale englische Sätze.

Nein. Einfach nein.
Wir haben es vermutlich alle irgendwann im Englischunterricht gelernt: Am Satzanfang steht ein Großbuchstabe, danach wird grundsätzlich kleingeschrieben, sofern es sich nicht beispielsweise um einen Eigennamen oder das Pronomen I (Ich) handelt.

Und genau daraus wird dann bei vielen deutschen Blogger*innen bei einem Buchtitel:

A court of thorns and roses statt A Court of Thorns and Roses

Das Problem daran: Ein englischer Buchtitel ist kein gewöhnlicher englischer Satz.
Für englische Titel und Überschriften gibt es eine eigene Schreibkonvention, den sogenannten Title Case, teilweise auch Headline Style genannt. Und nein, dabei werden nicht einfach wahllos irgendwelche Wörter großgeschrieben. Dahinter steckt tatsächlich ein System.

Title Case

Was ist Title Case überhaupt?

Im normalen englischen Fließtext gilt tatsächlich weitgehend die Schreibweise, die viele von uns aus dem Englischunterricht kennen: Das erste Wort eines Satzes wird großgeschrieben, die meisten folgenden Wörter klein. Eigennamen, das Pronomen I (Ich) und einige weitere Sonderfälle bilden natürlich Ausnahmen.
Bei Überschriften, Buch-, Film- oder Werktiteln kommt jedoch häufig Title Case zum Einsatz.
Dabei werden die inhaltlich wichtigen Wörter großgeschrieben, während bestimmte kurze Funktionswörter kleingeschrieben werden.

Das Ergebnis sieht beispielsweise so aus: The Book That Wouldn’t Burn

und eben nicht: The book that wouldn’t burn

Letzteres entspricht dem sogenannten Sentence Case: einer Schreibweise, bei der im Wesentlichen nur das erste Wort sowie Wörter großgeschrieben werden, die ohnehin einen Großbuchstaben benötigen.
Und genau hier scheint meiner Meinung nach häufig die Verwechslung zu liegen: Die aus dem Englischunterricht bekannten Regeln für gewöhnliche Sätze werden einfach auf englische Buchtitel übertragen.

Welche Wörter werden im Title Case großgeschrieben?

Die genaue Ausgestaltung kann sich je nach verwendetem Styleguide etwas unterscheiden. APA, Chicago und andere Regelwerke sind sich nämlich nicht in jedem Detail einig. Die grundlegende Idee bleibt aber dieselbe.

Großgeschrieben werden normalerweise:

  • das erste Wort eines Titels,
  • Nomen,
  • Pronomen,
  • Verben,
  • Adjektive,
  • Adverbien.

Je nach Styleguide gelten darüber hinaus weitere Regeln, etwa für das letzte Wort oder für Präpositionen unterschiedlicher Länge.

Kleingeschrieben werden häufig:

  • Artikel wie a, an, the,
  • kurze Präpositionen wie of, in, to, for,
  • kurze Konjunktionen wie and, or.

Nehmen wir beispielsweise: The Lord of the Rings
Lord und Rings tragen die inhaltliche Bedeutung und werden großgeschrieben. of und the bleiben klein.

Oder: A Court of Thorns and Roses
Auch hier sieht man das Prinzip wunderbar: Court, Thorns und Roses werden großgeschrieben, während of und and klein bleiben. Das A steht am Anfang und wird deshalb selbstverständlich ebenfalls großgeschrieben.

Nein, Title Case bedeutet nicht „jedes Wort groß“

Und hier lauert gleich das andere Extrem.
Aus Angst, zu wenig großzuschreiben, wird von einigen Blogger*innen manchmal einfach jedes einzelne Wort mit einem Großbuchstaben versehen: A Court Of Thorns And Roses

Auch das entspricht nicht dem üblichen Title Case. Die kleinen of und and sind kein Versehen des Verlags. Sie wurden nicht vergessen. Niemand hat beim Setzen des Titels kurz geschlafen. Sie gehören dort hin – aber eben klein geschrieben!

Title Case bedeutet also weder A court of thorns and roses noch A Court Of Thorns And Roses, sondern A Court of Thorns and Roses.
Kleine Wörter sind hier aber keinenfalls Bürger zweiter Klasse. Sie erledigen lediglich ihren grammatikalischen Job unauffällig im Hintergrund.

Sentence Case und Title Case sind zwei verschiedene Dinge

Und genau diese Unterscheidung ist eigentlich der Kern des Ganzen. Wer in der Schule gelernt hat, einen englischen Satz beispielsweise so zu schreiben: „The book wouldn’t burn because it was protected by magic.“ hat damit selbstverständlich nichts falsch gelernt. Problematisch wird es erst, wenn diese Regel auf einen Titel übertragen wird und daraus: „The book that wouldn’t burn wird.
Denn hier handelt es sich nicht um einen Satz innerhalb eines englischen Textes, sondern um den Titel eines Werkes: The Book That Wouldn’t Burn. Das eine ist Sentence Case, das andere Title Case.

Es geht also darum, dass deutsche Blogger*innen englische Titel „zu Englisch“ schreiben. Sie wenden die vollkommen korrekte englische Sentence-Case-Regel schlicht zu konsequent an und übertragen sie auch auf Buchtitel, bei denen stattdessen üblicherweise Title Case verwendet wird.
Was wir im Englischunterricht über die Groß- und Kleinschreibung englischer Sätze gelernt haben, ist also nicht falsch. Es ist nur nicht automatisch die richtige Regel für einen englischen Buchtitel.

Warum macht man das im Englischen überhaupt?

Title Case hat nicht nur mit Grammatik zu tun. Die Schreibweise erfüllt auch eine gestalterische Funktion.
Da englische Wörter im normalen Fließtext größtenteils kleingeschrieben werden, hebt die besondere Großschreibung Titel und Überschriften deutlich vom übrigen Text ab.

Gleichzeitig entsteht durch den Wechsel zwischen groß- und kleingeschriebenen Wörtern eine optische Struktur. Die bedeutungstragenden Wörter springen schneller ins Auge, während Artikel, Präpositionen und Konjunktionen weniger Aufmerksamkeit beanspruchen. Und genau deshalb sieht The Book That Wouldn’t Burn auch auf den ersten Blick nach einem Titel aus.

Aber der Verlag schreibt den Titel anders!

Jetzt wird es ein kleines bisschen komplizierter. Title Case ist keine universelle Naturkonstante.
Es gibt unterschiedliche englische Styleguides, deren Regeln sich in Details unterscheiden. Dazu kommen Verlage und Autor*innen, die Titel aus gestalterischen oder markenbezogenen Gründen bewusst anders schreiben. Manche Titel werden beispielsweise absichtlich vollständig in Sentence Case gesetzt.
Und genau deshalb ist bei einem konkreten Buch eigentlich die einfachste Regel die beste: Schaut nach, wie der Titel offiziell geschrieben wird.
Verlagsseite. Autor*innenwebsite. Titelseite beziehungsweise Impressum des Buches. Fertig.

Wenn ein Verlag einen Titel bewusst in einer bestimmten Form veröffentlicht, muss niemand anfangen, ihn nach einem anderen Styleguide eigenmächtig „zu korrigieren“. Title Case hilft vor allem dabei zu verstehen, warum viele englische Titel so aussehen, wie sie aussehen, und warum wir ihre Groß- und Kleinschreibung nicht einfach nach den Regeln eines normalen englischen Satzes behandeln sollten.

Ein englischer Titel bleibt ein englischer Titel

Genau das ist letztendlich der Punkt, der mich bei Buchblogs immer wieder stolpern lässt.
Wenn wir über englischsprachige Bücher schreiben, sie rezensieren oder vorstellen, sollten wir deren Titel auch korrekt wiedergeben. Schließlich würden wir bei den Namen von Autor*innen ebenfalls nicht einfach die Schreibweise verändern, weil uns eine andere Variante gerade besser gefällt.

The Book That Wouldn’t Burn bleibt The Book That Wouldn’t Burn.
A Court of Thorns and Roses bleibt A Court of Thorns and Roses.
Und The Lord of the Rings bleibt The Lord of the Rings.

Die Sprache des Blogbeitrags verändert schließlich nicht die offizielle Schreibweise eines Werktitels.

Mein kleiner Appell an die deutschsprachige Buchblog-Welt

Wir recherchieren Erscheinungstermine. Wir schreiben Namen von Autor*innen auf. Wir nennen Verlage, Übersetzer*innen, Seitenzahlen, ISBNs und teilweise sogar die genaue Ausgabe, die wir gelesen haben.
Dann können wir uns bitte auch diese zusätzlichen zehn Sekunden nehmen und nachsehen, wie der englische Buchtitel tatsächlich geschrieben wird.

Und falls ihr euch bisher gefragt habt, warum in englischen Buchtiteln scheinbar kreuz und quer Großbuchstaben verteilt werden: Nein, der Verlag hat nicht beim Englischunterricht gefehlt. 😉
Es ist Title Case.
Und das, was wir aus dem Englischunterricht für gewöhnliche Sätze kennen, ist in diesem Zusammenhang Sentence Case.

Beides ist Englisch. Beides ist richtig. Aber eben nicht an derselben Stelle.

Quellen & weiterführende Informationen

Für die Regeln und Unterschiede beim englischen Title Case sind unter anderem die Übersichten von APA Style, The Chicago Manual of Style, Scribbr, Grammarly und Proofreading.org hilfreich.

Kurzfassung für den nächsten englischen Buchtitel: Behandelt ihn nicht wie einen normalen englischen Satz, sondern eher wie einen Markennamen. Und im Zweifel schaut einfach nach, wie Verlag und Autor*in den Titel offiziell schreiben.

Vielen Dank für eure Aufmerksamkeit. 😊

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