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KI statt Kunst – Nein, danke!

KI statt Kunst? – Nein, danke! | Kolumne

Warum KI-generierte Buchcover und Werbegrafiken bei mir keine Unterstützung finden.

Künstliche Intelligenz ist mittlerweile überall. Sie schreibt Texte, erstellt Bilder, komponiert Musik und übernimmt Aufgaben, für die früher menschliche Kreativität, Erfahrung und handwerkliches Können notwendig waren. Und während ich durchaus anerkenne, dass KI in bestimmten Bereichen eine sinnvolle Unterstützung sein kann, gibt es für mich eine Grenze, die ich nicht bereit bin zu überschreiten.

Diese Grenze ist erreicht, wenn künstlich generierte Bilder als Ersatz für die Arbeit menschlicher Künstler*innen eingesetzt werden!

Gerade in der Buchbranche fällt mir zunehmend auf, wie viele Autor*innen ihre Werke mit offensichtlich KI-generierten Covern oder entsprechenden Werbegrafiken präsentieren. Und ich muss gestehen: Bei mir bewirkt das inzwischen genau das Gegenteil dessen, was die Werbung eigentlich erreichen soll. Anstatt mich neugierig auf das Buch zu machen, verliere ich augenblicklich das Interesse daran.

KI statt Kunst_ – Nein, danke!

Ein Herzensprojekt, aber bitte nur die eigene Kunst wertschätzen?

Wer schon einmal mit Autor*innen gesprochen oder ihre Beiträge auf Social Media verfolgt hat, kennt vermutlich die Aussagen darüber, wie viel Herzblut, Zeit, Arbeit und Leidenschaft in ihren Büchern stecken. Da wird monatelang, manchmal sogar jahrelang an Geschichten gefeilt. Charaktere werden entwickelt, ganze Welten erschaffen, Dialoge überarbeitet und Kapitel wieder und wieder umgeschrieben.

Und das respektiere ich. Wirklich! Literatur ist Kunst. Geschichten zu erzählen, Menschen mit Worten zu berühren und ihnen fremde Welten zu eröffnen, ist eine kreative Leistung, die Anerkennung verdient.

Aber warum sollte dieser Respekt vor künstlerischer Arbeit ausgerechnet beim eigenen Manuskript enden?

Denn auch Illustrator*innen sind Künstler*innen. Auch sie verbringen Jahre damit, ihr Handwerk zu erlernen, ihren eigenen Stil zu entwickeln und ihre Fähigkeiten zu perfektionieren. Sie investieren Zeit, Kreativität und Leidenschaft in ihre Werke. Genau wie Autor*innen. Und genau wie Schreiberinge möchten sie vielleicht sogar von ihrer Kunst leben können.
Wenn ich also sehe, dass jemand sein Buch als persönliches Herzensprojekt bezeichnet, für dessen Cover aber lieber auf einen KI-Bildgenerator zurückgreift, frage ich mich unweigerlich, wie ernst es dieser Person mit der Wertschätzung kreativer Arbeit tatsächlich ist.

Die eigene Kunst soll respektiert, gekauft und unterstützt werden, während die Arbeit anderer Künstler*innen möglichst kostenlos ersetzt wird?

Für mich passt das schlichtweg nicht zusammen.

Wenn KI das Cover gestaltet, wer hat dann das Buch geschrieben?

Ich möchte an dieser Stelle eines ganz deutlich machen: Ich behaupte nicht, dass jedes Buch mit einem KI-generierten Cover auch von einer KI geschrieben wurde. Aber ich kann auch nicht leugnen, dass genau dieser Gedanke bei mir aufkommt.
Wenn Autor*innen bereits bei der visuellen Präsentation ihres Werkes auf künstliche Intelligenz setzen, woher soll ich dann wissen, an welcher Stelle sie die Grenze ziehen?

Wurde nur das Cover generiert? Vielleicht auch der Klappentext? Die Charakterbeschreibungen? Einzelne Kapitel? Oder gleich die gesamte Geschichte? Natürlich kann ich das nicht wissen. Und ich möchte niemandem ohne Beweise unterstellen, sein Buch nicht selbst geschrieben zu haben.

Aber ein KI-generiertes Cover schafft bei mir kein Vertrauen in die kreative Eigenständigkeit eines Werkes. Ganz im Gegenteil.

Dabei spreche ich ausdrücklich nicht von Autor*innen, die KI beispielsweise als Recherchehilfe verwenden, sich bei organisatorischen Aufgaben unterstützen lassen oder technische Hilfsmittel nutzen. Zwischen der Verwendung eines Werkzeugs und dem Ersetzen einer kreativen Leistung besteht für mich ein erheblicher Unterschied.
Und genau um diesen Unterschied geht es mir.

Die unsichtbaren Künstler*innen hinter den KI-Bildern

Was mich an KI-generierten Illustrationen besonders stört, ist die Frage, woher die Bildgeneratoren überhaupt gelernt haben, solche Bilder zu erschaffen. Generative Bildmodelle werden mit riesigen Mengen an Bildmaterial trainiert. Darunter befinden sich auch Werke menschlicher Künstler*innen, die nicht unbedingt zugestimmt haben, dass ihre Arbeiten für solche Zwecke verwendet werden. Die rechtlichen und ethischen Fragen rund um dieses Training sind längst nicht abschließend geklärt.

Für mich bleibt dennoch ein gewaltiges Problem bestehen: Künstlerische Leistungen werden genutzt, um Systeme zu entwickeln, die anschließend mit eben jenen Künstler*innen konkurrieren. Ein KI-Bild ist dabei nicht zwangsläufig eine Collage aus unmittelbar kopierten Einzelbildern. Aber die Fähigkeiten solcher Systeme beruhen auf dem Lernen aus bereits existierenden Werken, und genau deshalb ist die Frage nach Einwilligung, Vergütung und Urheberrechten so wichtig.

Ich finde es erschreckend, wie selbstverständlich diese Problematik manchmal ignoriert wird. Da wird ein Bildgenerator mit ein paar Begriffen gefüttert, und Sekunden später erscheint eine Illustration, für die ein Mensch möglicherweise Stunden oder Tage gebraucht hätte.

Und das soll dann plötzlich dieselbe Wertschätzung verdienen? Für mich nicht.

Ein individuelles Cover ist mehr als nur eine hübsche Verpackung

Natürlich weiß ich, dass nicht jede Person, die ein Buch veröffentlicht, über ein großes Budget verfügt. Gerade Selfpublisher*innen müssen häufig sämtliche Kosten selbst tragen. Mir ist durchaus bewusst, dass Lektorat, Korrektorat, Buchsatz, Marketing und schließlich auch die Covergestaltung eine erhebliche finanzielle Belastung darstellen können. Und doch bin ich der Meinung, dass ein Buchcover mehr sein sollte als eine möglichst günstige Möglichkeit, Aufmerksamkeit zu erzeugen.

Allerdings ist ein Cover das Gesicht einer Geschichte. Es vermittelt Atmosphäre, weckt Erwartungen und kann im besten Fall bereits etwas über die Welt erzählen, in die wir beim Lesen eintauchen werden. Und gerade deshalb finde ich, dass ein persönliches Herzensprojekt auch eine persönliche Gestaltung verdient. Es muss nicht immer eine sündhaft teure Auftragsillustration sein. Es gibt professionelle Coverdesigner*innen, lizenzierte Stockfotografie, typografische Gestaltungsmöglichkeiten und vorgefertigte Cover, die von Menschen entworfen wurden.

Und dann gibt es schließlich auch Programme wie Canva, mit denen sich selbst ohne professionelle Designausbildung ansprechende Buchcover und Werbegrafiken gestalten lassen.

Canva bietet zahlreiche Vorlagen, Schriftarten, Gestaltungselemente und Möglichkeiten, eigene Ideen umzusetzen. Natürlich muss man dabei auf die jeweiligen Nutzungs- und Lizenzbedingungen achten. Und ja, auch Canva bietet mittlerweile KI-Funktionen an. Aber niemand ist gezwungen, diese zu verwenden.
Man kann mit solchen Programmen durchaus kreativ werden, ohne sich gleich ein vollständiges Bild von einer künstlichen Intelligenz generieren zu lassen.

Es braucht vielleicht etwas mehr Zeit, Geduld und die Bereitschaft, sich mit Gestaltung auseinanderzusetzen. Aber ist das nicht genau das, was man von anderen Menschen ebenfalls erwartet, wenn sie sich mit dem eigenen Buch beschäftigen sollen?

Nicht jedes Buch benötigt ein aufwendig illustriertes Kunstwerk.
Aber jedes Buch verdient eine Gestaltung, bei der die kreative Arbeit anderer respektiert wird!

Wenn Autor*innen möchten, dass Leser*innen Geld für ihre Geschichten ausgeben, finde ich es nicht unangemessen, auch von ihnen eine gewisse Bereitschaft zu erwarten, in die kreative Arbeit anderer Menschen zu investieren oder selbst Zeit in eine individuelle Gestaltung zu stecken.

Keine öffentliche Bloßstellung, aber eine klare Haltung

Bevor jetzt jemand befürchtet, ich würde anfangen, auf meinem Blog eine Liste mit Autor*innen zu veröffentlichen, deren KI-generierte Cover oder Werbegrafiken mir bereits aufgefallen sind, möchte ich eines klarstellen:

Nein, das werde ich nicht tun.

Mir sind durchaus schon Autor*innen begegnet, bei denen mir die Verwendung von KI-generierten Bildern aufgefallen ist. Einige davon haben mich sogar mit ihren Büchern oder ihrer Werbung direkt angesprochen (Rezensionsanfragen). Trotzdem werde ich hier keine Namen nennen, keine entsprechenden Buchcover als Negativbeispiele präsentieren und auch niemanden öffentlich an den Pranger stellen.

Das ist weder meine Absicht noch der Sinn dieses Beitrags. Mir geht es nicht darum, einzelne Personen bloßzustellen oder eine öffentliche Diskussion über bestimmte Autor*innen loszutreten. Ich möchte vielmehr auf eine Entwicklung aufmerksam machen, die ich innerhalb der Buchbranche zunehmend kritisch betrachte. Außerdem bin ich mir bewusst, dass nicht jedes Bild, das auf den ersten Blick nach KI aussieht, tatsächlich von einer künstlichen Intelligenz erstellt wurde.

Meine Kritik richtet sich gegen den Einsatz generativer KI als Ersatz für menschliche Kunst, nicht gegen bestimmte Personen.

Wer sich für diese Art der Covergestaltung entscheidet, darf das tun. Aber ich muss diese Entscheidung weder gutheißen noch unterstützen. Ich möchte hiermit die einen oder anderen Autor*innen eher zum Nachdenken bewegen, bevore sie ein KI-Programm füttern.

Meine Konsequenz: Keine Rezensionen und keine Social-Media-Unterstützung

Deshalb möchte ich an dieser Stelle eine klare Entscheidung für meinen Blog The Art of Reading und meine Social-Media-Aktivitäten bekannt geben.

Dabei spielt es keine Rolle, ob es sich um Selfpublisher*innen, Kleinverlage oder größere Verlage handelt. Ebenso wenig macht es für mich einen Unterschied, ob mir ein kostenloses Rezensionsexemplar, ein eBook oder eine gedruckte Ausgabe angeboten wird. Auch wenn mich der Klappentext eines solchen Buches vielleicht sogar interessieren könnte, werde ich entsprechende Rezensionsanfragen IMMER ablehnen.
Ich möchte deshalb ausdrücklich darum bitten, von solchen Anfragen in Zukunft abzusehen.

Auch auf meinen Social-Media-Kanälen werde ich solche Bücher nicht durch Likes oder andere freiwillige Interaktionen unterstützen, die ihrer Vermarktung dienen. Eher werde ich entsprechende Accounts blockieren. Denn ein Like ist für mich nicht einfach nur ein belangloser Klick. Es ist auch eine Form der Aufmerksamkeit und Unterstützung.
Und ich möchte meine Aufmerksamkeit lieber denjenigen schenken, die nicht nur ihre eigene kreative Arbeit wertschätzen, sondern auch die anderer Künstler*innen.

Mir ist bewusst, dass man die Entstehung eines Covers nicht immer zuverlässig anhand seines Aussehens beurteilen kann. Deshalb werde ich niemandem allein aufgrund eines ungewöhnlichen Illustrationsstils den Einsatz von KI unterstellen. Meine Entscheidung bezieht sich auf Fälle, in denen die KI-Nutzung offengelegt wurde oder für mich hinreichend eindeutig feststeht.

Wer als Künstler*in ernst genommen werden möchte, sollte auch andere ernst nehmen

Vielleicht wird meine Haltung einigen Menschen zu streng erscheinen. Vielleicht werde ich dadurch interessante Geschichten verpassen. Und vielleicht werden sich Autor*innen durch diesen Beitrag angegriffen fühlen. Damit kann ich leben. Denn ich möchte mit diesem Beitrag niemandem vorschreiben, wie ein Buch zu veröffentlichen wurde. Jede Person darf selbst entscheiden, welche Werkzeuge verwendet werden, wie die Bücher gestaltet und wofür Geld ausgegeben wird.

Aber genauso darf ich entscheiden, welche Bücher ich auf meinem Blog vorstelle, rezensiere und unterstütze.

Ich wünsche mir eine Buchwelt, in der menschliche Kreativität nicht nur dann als wertvoll betrachtet wird, wenn es um die eigenen Werke geht. Eine Buchwelt, in der Autor*innen, Illustrator*innen, Coverdesigner*innen und andere Kreative nicht gegeneinander ausgespielt werden, sondern gegenseitig von ihrer Arbeit profitieren können. Und vor allem wünsche ich mir, dass wir nicht irgendwann an einem Punkt ankommen, an dem wir zwar noch unzählige Geschichten und Bilder konsumieren, aber den Menschen dahinter kaum noch Bedeutung beimessen.

Wer möchte, dass die eigene Kunst gesehen, respektiert und bezahlt wird, sollte bereit sein, diesen Respekt auch anderen entgegenzubringen.

Denn ein Herzensprojekt sollte nicht nur von der Leidenschaft der Person leben, die es geschrieben hat, sondern auch von der Wertschätzung für diejenigen, die dabei helfen, es zum Leben zu erwecken.


Wie steht ihr zu KI-generierten Buchcovern?

Ist euch wichtig, ob ein Cover von einem Menschen gestaltet oder mithilfe eines Bildgenerators erstellt wurde? Und beeinflusst das möglicherweise sogar eure Entscheidung, ob ihr ein Buch lesen oder kaufen möchtet?

Ich bin gespannt auf eure Meinungen, auch wenn sie von meiner eigenen abweichen.

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